Der freiwillige Teil

Entgeltumwandlung: der einzige Baustein, den du freiwillig wählst

Die Pflichtversicherung läuft ohne dein Zutun. Daneben kannst du aus deinem Bruttoentgelt zusätzlich einzahlen. Das bringt heute Vorteile und kostet später an anderer Stelle – beides gehört auf denselben Zettel.

Was ist Entgeltumwandlung im öffentlichen Dienst?

Kurz beantwortet
Du verzichtest auf einen Teil deines Bruttoentgelts, und dieser Teil fließt stattdessen in eine zusätzliche Altersversorgung – bei den meisten Kassen über eine freiwillige Versicherung neben der Pflichtversicherung. Weil der Betrag vom Brutto abgeht, sinken in der Ansparphase Steuern und Sozialabgaben. Dafür ist die spätere Leistung im Alter voll steuerpflichtig und beitragspflichtig in der Kranken- und Pflegeversicherung, und dein sozialversicherungspflichtiges Entgelt sinkt, was sich auf die gesetzliche Rente auswirkt. Ob sich das für dich rechnet, hängt vom Einzelfall ab.
Flur einer Personalabteilung
Foto: Schreibtisch mit Notizbuch und Kaffee, ruhig
Ruhiger Flur einer PersonalabteilungRuhiger Flur einer Personalabteilung
Gespräch über ein Formular am Schreibtisch
Foto: Hände halten Tablet mit Depotübersicht
Gespraech ueber ein Formular am Schreibtisch der PersonalstelleGespraech ueber ein Formular am Schreibtisch der Personalstelle
Der Mechanismus

Warum aus brutto mehr wird als aus netto

Wenn du hundert Euro aus deinem Nettoeinkommen zur Seite legst, hast du auf diese hundert Euro bereits Steuern und Sozialabgaben gezahlt. Bei der Entgeltumwandlung geht der Betrag direkt vom Brutto ab. Dein Nettoeinkommen sinkt dadurch um weniger als den umgewandelten Betrag – genau darin liegt der Effekt, mit dem üblicherweise geworben wird.
Der Haken ist keine Kleinigkeit, er ist nur zeitlich versetzt. Was in der Ansparphase an Steuern und Beiträgen gespart wird, fällt in der Auszahlungsphase an: Die Leistung ist im Alter steuerpflichtig, und auf Betriebsrenten fallen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an. Hinzu kommt, dass ein niedrigeres sozialversicherungspflichtiges Entgelt auch weniger Entgeltpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung bedeutet.
Die ehrliche Abwägung

Eine Abwägung, keine Empfehlung

Es gibt keine Antwort, die für alle stimmt. Es gibt aber zwei Fragen, die die Antwort meistens vorgeben.

Wie hoch ist dein Steuersatz heute im Vergleich zu später?

Die Ersparnis entsteht heute zu deinem heutigen Steuersatz, die Belastung fällt später zu deinem dann geltenden an. Wer heute in einem höheren Steuersatz liegt als im Ruhestand, hat den Effekt auf seiner Seite. Wer heute wenig verdient und später mehrere Einkünfte hat, möglicherweise nicht.
Drei Punkte, die oft übersehen werden
Auf Betriebsrenten fallen im Alter Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an – anders als bei der gesetzlichen Rente, wo ein Teil vom Träger getragen wird.
Ein niedrigeres sozialversicherungspflichtiges Entgelt senkt auch deine spätere gesetzliche Rente.
Ob und in welcher Höhe ein Arbeitgeberzuschuss fließt, regeln Tarifvertrag und Kasse – das gehört erfragt, nicht angenommen.

Wie sicher ist es, dass du das Geld nicht brauchst?

Umgewandeltes Entgelt ist bis zum Rentenbeginn gebunden. Du kommst nicht heran, auch nicht bei einer größeren Anschaffung, einer Umschulung oder einer längeren Krankheit. Wer noch keinen Notgroschen hat, sollte diesen zuerst aufbauen. Diese Reihenfolge ist wichtiger als die Frage, welches Produkt am Ende gewählt wird.
Erst der Puffer, dann die Bindung. Wer das umdreht, muss im ungünstigsten Moment improvisieren.
Zusammengefasst
Der Vorteil liegt heute, die Belastung später, und das Geld ist bis dahin gebunden. Wer diese drei Sätze verstanden hat, kann ein Angebot beurteilen.
Beide Seiten

Was dafür und was dagegen spricht

Dafür spricht

✓
In der Ansparphase sinken Steuern und Sozialabgaben – aus brutto wird mehr als aus netto.
✓
Der Aufbau läuft automatisch über die Entgeltabrechnung, ohne dass du monatlich etwas veranlassen musst.
✓
Die Leistung ist als lebenslange Rente ausgestaltet und nicht als einmalige Summe.
✓
Ein etwaiger Arbeitgeberzuschuss erhöht den eingezahlten Betrag, ohne dich mehr zu kosten.

Dagegen spricht

–
Im Alter voll steuerpflichtig, dazu Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.
–
Das gesunkene sozialversicherungspflichtige Entgelt mindert deine gesetzliche Rente.
–
Das Geld ist bis zum Rentenbeginn gebunden – keine Entnahme, keine Zwischennutzung.
–
Beim Wechsel zu einem Arbeitgeber außerhalb des öffentlichen Dienstes wird die Fortführung zur Einzelfrage.
Die Reihenfolge

Vier Stufen, bevor Bindung sinnvoll wird

Zuerst

Notgroschen

Ein Betrag auf einem getrennten Konto, an den du jederzeit herankommst. Im Schichtdienst mit schwankenden Zuschlägen ist das keine Vorsichtsmaßnahme, sondern die Grundlage von allem übrigen.

Dann

Teure Schulden abbauen

Solange ein Dispo oder ein teurer Ratenkredit läuft, ist jede gebundene Sparform die schlechtere Entscheidung. Diese Reihenfolge ist unstrittig und hängt an keiner Prognose.

Dann

Die eigene Lage kennen

Was ergeben gesetzliche Rente und Pflichtversicherung zusammen? Erst wenn du diese beiden Zahlen hast, weißt du, wie groß die verbleibende Lücke überhaupt ist.

Erst danach

Über Bindung nachdenken

Wer die ersten drei Stufen hinter sich hat, kann eine Entgeltumwandlung sinnvoll prüfen – und sie mit anderen Wegen vergleichen, die ohne Bindung auskommen.

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Zwei parallele Rohre unterschiedlicher Staerke an einer BetonwandZwei parallele Rohre unterschiedlicher Staerke an einer Betonwand
”
Jede Bindung ist ein Versprechen an dein künftiges Ich. Man sollte es nur geben, wenn man weiss, dass man es halten kann.
Christof Oppermann, Mitgründer von COP Investment
Wenn du es prüfen willst

Vier Fragen an deine Kasse und deine Personalstelle

Erstens: Bietet meine Zusatzversorgungskasse überhaupt eine freiwillige Versicherung an, und wie ist sie ausgestaltet? Nicht jede Kasse hat dasselbe Angebot, und neben der Kasse kommen je nach Arbeitgeber auch andere Durchführungswege in Betracht.
Zweitens: Zahlt mein Arbeitgeber einen Zuschuss, und wenn ja, in welcher Höhe? Das ist der Punkt, an dem sich die Rechnung am stärksten verändert – und der, bei dem am häufigsten etwas angenommen statt erfragt wird.
Drittens: Was passiert mit dem Vertrag, wenn ich den Arbeitgeber wechsle? Innerhalb des öffentlichen Dienstes ist die Fortführung meist unproblematisch, bei einem Wechsel in die Privatwirtschaft wird sie zur Einzelfallfrage.
Und viertens: Kann ich die Beiträge aussetzen oder senken, wenn sich meine Lage ändert? Wer im Schichtdienst mit schwankenden Zuschlägen arbeitet, sollte diese Frage stellen, bevor er unterschreibt.
Die Einordnung

Ein Weg unter mehreren – nicht der einzige

Die Entgeltumwandlung ist eine Möglichkeit, die dritte Säule zu füllen. Sie ist nicht die einzige und nicht automatisch die beste. Ihr größter Vorteil ist die steuerliche Behandlung in der Ansparphase, ihr größter Nachteil die Bindung. Wege ohne Bindung haben diesen Vorteil nicht und dafür jederzeit Zugriff. Was besser passt, hängt an deiner Lage – nicht an einer allgemeinen Regel.

1

Gesetzliche Rente – läuft automatisch

2

Zusatzversorgung als Pflichtversicherung – läuft automatisch

3

Der Teil, den du selbst gestaltest – mit oder ohne Bindung

Wenn du weiterdenken willst

Wir rechnen die Reihenfolge mit dir durch, nicht das Produkt

Im kostenlosen Strategiegespräch sehen wir uns an, wo du in den vier Stufen stehst und ob Bindung für dich überhaupt der nächste Schritt ist. Wir vermitteln nichts und empfehlen kein Produkt.
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Zwei Personen rechnen am Küchentisch
Zwei Personen rechnen abends gemeinsam am KuechentischZwei Personen rechnen abends gemeinsam am Kuechentisch
Chris Oppermann, Mitgründer von COP Investment und PolizistChris Oppermann, Mitgründer von COP Investment und Polizist
Verfasst von
Christof Oppermann
Mitgründer von COP Investment
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Vor Veröffentlichung inhaltlich geprüft
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Zuletzt aktualisiert am 12. Juni 2026
Quellen
01
Betriebsrentengesetz zur Entgeltumwandlung und zu den Durchführungswegen
02
Tarifvertrag über die betriebliche Altersversorgung (ATV) und der kommunale ATV-K
03
Einkommensteuergesetz und Sozialgesetzbuch V zur steuerlichen und beitragsrechtlichen Behandlung in Anspar- und Auszahlungsphase
Häufige Fragen

Was uns zur Entgeltumwandlung gefragt wird

Lohnt sich Entgeltumwandlung im öffentlichen Dienst?
Das hängt von deinem heutigen Steuersatz im Vergleich zum späteren ab, von einem etwaigen Arbeitgeberzuschuss und davon, wie sicher du das Geld bis zum Rentenbeginn entbehren kannst. Eine allgemeingültige Antwort wäre unseriös – die Rechnung gehört für deinen Fall aufgemacht.
Mindert Entgeltumwandlung meine gesetzliche Rente?
Ja, in dem Umfang, in dem dein sozialversicherungspflichtiges Entgelt sinkt. Weniger beitragspflichtiges Entgelt bedeutet weniger Entgeltpunkte. Dieser Effekt wird in Verkaufsgesprächen häufig nicht erwähnt und gehört in jede ehrliche Rechnung.
Muss mein Arbeitgeber etwas dazugeben?
Ob und in welcher Höhe ein Zuschuss fließt, regeln der Tarifvertrag und die jeweilige Kasse. Frag konkret nach, statt es anzunehmen – es ist der Punkt, der die Rechnung am stärksten verändert.
Komme ich vorher an das Geld?
Nein. Umgewandeltes Entgelt ist bis zum Rentenbeginn gebunden – auch bei einer größeren Anschaffung, einer Umschulung oder einer längeren Krankheit. Genau deshalb gehört ein Notgroschen davor und nicht danach.
Was passiert bei einem Arbeitgeberwechsel?
Innerhalb des öffentlichen Dienstes ist eine Fortführung meist möglich. Beim Wechsel in die Privatwirtschaft hängt es vom Durchführungsweg und vom neuen Arbeitgeber ab. Kläre das vor dem Abschluss, nicht erst beim Wechsel.
Empfehlt ihr Entgeltumwandlung?
Wir empfehlen kein Produkt und vermitteln nichts. Was wir tun können, ist die Reihenfolge mit dir durchzugehen – Notgroschen, teure Schulden, eigene Lage kennen – und erst danach die Frage der Bindung zu stellen. Die Entscheidung bleibt deine.
Der nächste Schritt

Prüfe zuerst, wo du in der Reihenfolge stehst

Notgroschen, teure Schulden, eigene Zahlen. Wer diese drei Stufen hinter sich hat, kann über Bindung reden – vorher führt sie in die falsche Richtung.

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